Parkinson-Syndrom

Parkinson ist mehr als eine einzige Krankheit.

Man spricht von Parkinsonsyndromen als Oberbegriff der Krankheitsgruppe, wenn Krankheitszeichen wie

  • Bewegungsverlangsamung (z.B. Gangstörung)
  • und /oder Ruhezittern
  • und/ oder Rigor= erhöhter Muskelwiderstand vorliegen

Unterschieden werden 

  1. die eigentliche Parkinson-Krankheit, auch idiopathisches oder primäres Parkinson-Syndrom, Morbus Parkinson, abgekürzt: IPS
  2. Sekundäre Parkinson-Syndrome, abgekürzt: SPS
  3. Atypische Parkinson-Syndrome, abgekürzt: aPS, mit
    a. Lewy-Körper-Krankheit, DLB
    b. Multisystematrophie, MSA;  vom Typ „P“ oder „C“
    c. Cortiko-Basale Degeneration, CBD

Die eigentliche „Parkinsonkrankheit“, idiopathischer Parkinson, Morbus Parkinson oder primäres Parkinsonsyndrom, ungenau übersetzt:  "Schüttellähmung". Sie ist eine langsam fortschreitende neuro-degenerative Erkrankung und zählt weltweit zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen.

Mit ca. 80% aller Patienten mit Parkinsonkrankheitszeichen ist sie die größte Untergruppe. In Deutschland sind 0,1 % bis 0,3 % der Bevölkerung erkrankt. Der Krankheitsbeginn liegt meist um das 60. Lebensjahr. Doch auch deutlich jüngere Menschen können betroffen sein. So sind ca. 10 % der Betroffenen in Deutschland bei Diagnosestellung jünger als 40 Jahre. Mit zunehmendem Lebensalter steigt die Zahl der Betroffenen.

Die eigentliche Ursache ist nach heutigem Wissensstand eine genetische Veranlagung, die im Lauf des Lebens durch Alterung und unbekannte andere Auslöser eine Stoffwechselveränderung in bestimmten Teilen des Nervensystems bewirkt. In der Folge werden Eiweiße (die Lewy Körper) gebildet und über lange Zeit in einer systematischen Reihenfolge in bestimmten Gehirnteilen eingelagert.
Diese Eiweiße können im Kernspin oder anderen apparativen Untersuchungen nicht direkt gesehen werden.

Man unterscheidet klar vom IPS die Gruppe der sekundären Parkinsonsyndrome
Sie macht bis zu 20% aller Patienten mit Parkinsonkrankheitszeichen aus.  Die Krankheitszeichen werden hier von einer primär erkennbaren Ursache verursacht.

Dies können sein

  • bestimmte Medikamente (z.B.  Neuroleptica, Lithium oder andere, die die Parkinsonkrankheitszeichen als Nebenwirkung = so genanntes „Parkinsonoid“ verursachen) oder Gifte (z.B. MTPT, Kohlenmonoxid, Mangan)
  • strukturelle Gehirngewebsveränderungen nach Durchblutungsstörungen, einer Störung des natürlichen Abflusses des Gehirnwassers (Hydrocephalus internus), sehr selten Entzündungen, Tumore oder Verletzungen in Gehirngebieten, die für die Bewegungsverschaltung zuständig sind.
    Diese strukturellen Veränderungen des Gehirns sind in Kernspinuntersuchungen erkennbar.

Die Gruppe der atypischen Parkinsonsyndrome beginnen meist mit Krankheitszeichen wie bei einem idiopathischen Parkinsonsyndrom. Nach relativ kurzer Zeit treten bestimmte Zusatzsymptome oder Komplikationen auf, die für den Krankheitsverlauf eines Patienten mit IPS zu diesem Zeitpunkt untypisch sind.
Die Gruppe der an atypischen Parkinsonsyndromen Erkrankten macht bis zu 20% aller Patienten mit Parkinsonkrankheitszeichen aus.

Unterscheiden wird

  • DLB = Lewyköperkrankheit oder Demenz vom Lewykörpertyp
  • MSA= Multisystematrophie mit Untergruppierung in Typ-„P“ und Typ-„C“
  • PSP= Progressive Supranucleäre Paralyse.
  • CBD= Cortiko-Basale Degeneration.

MSA, PSP und CBD können im Krankheitsverlauf typische Veränderungen in Kernspinuntersuchungen zeigen.

Voraussetzung für die Einleitung der bestmöglichen Therapie ist die genaue Diagnosestellung.

Das idiopathische Parkinsonsyndrom beginnt mit nicht-motorischen Krankheitszeichen.
Häufig nimmt der Geruchssinn ab, liegt eine bestimmte Schlafstörung (Non-Rem-Schlafverhaltensstörung genannt) vor, ein Vitalitätsverlust/ „Apathie“ bis hin zu gehäuften Phasen depressiver Verstimmung. Fast immer ist die unwillkürliche Magenentleerung in den Darm und die Darmperistaltik insgesamt verlangsamt.

Diese nicht motorischen Krankheitszeichen entwickeln sich langsam, schleichend und werden von den Betroffenen meistens nicht bemerkt. Zudem sind sie unspezifisch, d. h. für die Diagnosestellung "Parkinson" alleine nicht ausreichend.

Erst mit den motorischen Krankheitszeichen kann die Diagnose gestellt werden. D.h., wenn bestimmte Bewegungsabläufe verlangsamt sind oder ein Ruhezittern oder ein erhöhter Muskelwiderstand vorliegt. 

Ein wichtiges Ziel wissenschaftlicher Forschung ist die Entwicklung von früheren Diagnosemöglichkeiten und natürlich von Therapien, die den "motorischen" Parkinson verhindern und den Krankheitsprozess stoppen bzw. zumindest verlangsamen.

Die Diagnose eines Parkinsonsyndroms basiert primär auf einer Unterbeweglichkeit, Hypokinese genannt.
Bei sich wiederholenden Bewegungen nimmt der Bewegungsumfang ab. Z. B. beim Versuch, Daumen und Zeigefinger wie eine Schere schnell und weit auseinanderzuspreizen und wieder zu schließen. Die Bewegungen werden beim Vorliegen eines Parkinsonsyndroms langsamer und der Bewegungsumfang immer kleiner.

Zusätzlich muss entweder ein erhöhter Muskelwiderstand, der "Rigor", vorliegen oder ein Ruhezittern, „Ruhetremor“.
Rigor bedeutet ein beim passiven Durchbewegen z. B. eines Armes oder Beines tastbarer Widerstand. Er kann an ineinandergreifende Zahnräder erinnern, das "Zahnrad-phänomen".
Zittern besteht nur bei ca. 2/3 der Betroffenen, typischerweise als Ruhezittern, also dann sichtbar, wenn die betroffene Extremität in Ruhe entspannt ist.
Im Gegensatz dazu spricht ein reiner „Aktionstremor“, eher für ein essentielles Tremorsyndrom. Er zeigt sich, wenn betroffene Patienten nach etwas greifen. Der klassische Ruhetremor bei Parkinsonpatienten wird beim Greifen (z. B. nach einem Glas oder eine Tasse, wenn der Arm betroffen ist) eher weniger oder verschwindet sogar.

Diagnosekriterien (British Brain Bank Criteria):

  • Hypokinese = Bewegungsminderung bei wiederholten Bewegungen

    • mit entweder:  erhöhter Muskelwiderstand = Rigor
    • oder: Ruhezittern

  • im Krankheitsverlauf Sturzneigung durch gestörte Stellreflexe

Die motorischen Krankheitszeichen treten beim klassischen Parkinsonsyndrom einseitig auf. Die Ursache der Störungen liegt im Gehirn der Erkrankten. Die Feinsteuerung der Bewegungsprogramme erfolgt durch Botenstoffe, so genannte Neurotransmitter. Beim idiopathischen Parkinson-Syndrom wird durch das Absterben von Nervenzellen in bestimmten Regionen des Gehirns unter anderem die Bildung des hemmenden Botenstoffes Dopamin gestört. Es entsteht ein Überschuss des erregenden Neurotransmitters Acetylcholin. Dies stört das Gleichgewicht des Stoffwechselsystems im Hirn, was die parkinsontypische Symptomatik zur Folge hat.

Praktisches Vorgehen:

  1. Die Diagnose des Morbus Parkinson stützt sich also zunächst auf die Anamnese, die neurologische Untersuchung, mit besonderer Analyse der Bewegungsabläufe.
  2. Es müssen andere Erkrankungen, die sekundäre Parkinsonsyndrome auslösen können, ausgeschlossen werden.
  3. Eine kernspintomographische Untersuchung des Gehirns sollte erfolgen.
  4. In speziellen Fragestellungen können nuklearmedizinische Verfahren wie SPECT,  Ultraschall, "Mittelhirnsonographie", ein Riechtest und ein Dopa-Test helfen.

Da dato sind der Stopp der Krankheitsursache bzw. die Heilung von Parkinson nicht möglich. Die Parkinsontherapie ist bis heute symptomatisch, d.h. sie reduziert die Symptome. Ziele sind Abwenden von Komplikationen und Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen.

Die medikamentöse Behandlung versucht, das verschobene Verhältnis der Botenstoffe im Gehirn wieder in ein verbessertes Gleichgewicht zu bringen.

Zusätzlich sollten individuell abgestimmte Therapien wie Krankengymnastik, im Einzelfall auch ergotherapeutische, logopädische und/oder psychologische Therapie eingesetzt werden.

Bereits bei Diagnosestellung sollte körperliche und geistige Aktivität gezielt erhalten und trainiert werden.

Die Seiten der Deutschen Parkinson Vereingung, des Komptenznetzes Parkinson geben hilfreiche Informationen über aktuelle Parkinsontherapie in verständlicher Sprache.

Optimale medizinische Versorgung von Parkinson-Patientinnen und -Patienten ist meinem gesamten Team ein besonderes Anliegen. Dies bedeutet kontinuierliche Weiterbildung bzgl. Diagnostik, Therapie, Erkennen und Versorgung etwaiger Krankheitskomplikationen, Beratung und Versorgung zu allen nicht- medikamentösen und medikamentösen Therapien, inklusive Medikamenten-Pumpen und DBS/ Tiefer Hirnstimulation.
Es besteht eine enge Kooperation mit allen ambulanten und stationären Parkinsonversorgern.

Derzeit 2 unserer Mitarbeiterinnen sind zertifizierte Parkinsonassistentinnen, PASSes. Sie stehen unseren PatientINNen zusätzlich bei Fragen rund um Parkinson zur Verfügung.

Wir bieten zusätzlich Vorträge zu allen Aspekten der Parkinson-Syndrome an und kooperieren selbstverständlich mit allen Parkinson-spezialisierten Kliniken in und um Berlin.

 

 

Wenn Parkinsonsymptome durch die Therapie nicht immer gut unterdrückt sind, kann es im Einzelfall schwierig sein, die Medikation 100% zu optimieren, weil die beklagten Symptome nicht immer in der Sprechstunde zu sehen sind und nicht alle Patienten immer genau beschreiben können, was vorliegt.
In solchen Situationen werden Bewegungskalender verwendet, in denen der Patient oder die Patientin u. a. Medikamenteneinnahmezeiten und Beweglichkeitszustände dokumentiert.

Genügt dies nicht, kann die ambulante Video-Basierte Therapie / MVB sehr hilfreich sein: PatientIN macht in seinem häuslichen Umfeld gezielt dann Videoaufnahmen seiner Beweglichkeit, wenn die Beschwerden vorliegen. Diese Video-Clips werden datensicher und zeitversetzt zum behandelnden Arzt übertragen, der die Medikamente gezielt anpassen kann, ohne dass ein Krankenhausaufenthalt nötig ist.

Mehr zur Video-überwachten Therapie finden Sie hier.

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